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Bischofsspende aus dem 14. Jahrhundert?

Reliquienbüste des heiligen Petrus in der Mindener Domschatzkammer


Von Propst i. R. Paul Jakobi

Im Mittelalter wurde der heilige Apostel Petrus hoch verehrt. Der größte Teil aller Bischofskirchen im Westen trug bis ins 12. Jahrhundert hinein seinen Namen. Das karolingische Königshaus ernannte ihn sogar zu seinem Patron.

Petrus ist wahrscheinlich im Jahre 64 in Rom gekreuzigt worden. Über seinem Grab wurde später der mächtige Petersdom erbaut. Mit ziemlicher Sicherheit konnte im vergangenen Jahrhundert durch wissenschaftliche Forschung die Echtheit des Apostelgrabes nachgewiesen werden.

Petrus hieß ursprünglich Simon, war verheiratet und hat mit seiner Familie in Kafarnaum vom Fischfang gelebt. Jesus hat ihn als ersten in den Kreis seiner Jünger berufen, ihm den neuen Namen Petrus (Fels) gegeben und seine hohe Stellung in der Kirche mit den Worten beschrieben: „Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben“ (Mt 16,19).

In der Mindener Domschatzkammer befindet sich eine Petrusbüste, die in Anlehnung an dieses Wort Jesu entstanden ist. Der Heilige trägt zwei große Schlüssel in seinen Händen. Sie sind nach oben und ihre Bärte nach außen gerichtet; die runden Griffe werden vom Blattwerk umschlossen. Links und rechts davon sind zwei sternförmige Rosetten angebracht. Die beiden Schlüssel, allerdings gekreuzt, sind sowohl Wappen des Bistums als auch in das Wappen der Stadt Minden eingegangen.

Der Grundriss dieser Petrusbüste ist oval. Der vergoldete Sockel besteht aus einer Muldenleiste, auf der sich Silberrosetten mit goldener Blütenmitte befinden. Darüber windet sich ein durchbrochener Blattkranz, auf dem in der Mitte der Brust des Petrus ein silbergefasster, durch Feuer zersprungener Bergkristall liegt, hinter dem sich in früheren Zeiten eine sichtbare Reliquie des Heiligen befand. Die Figur hat hängende Schultern. Um den Hals zieht sich ein mit weichen Falten versehener vergoldeter Kragen, der von einer Agraffe aus vierblättriger Rosette gehalten wird. Der Kopf ist frontal auf den Betrachter gerichtet, die Augen sind stechend, das breite Gesicht hat hohe Wangenknochen, die Stirn ist von Querfalten durchfurcht. Um den Mund ziehen sich symmetrische Bartlocken. Petrus trägt eine Tonsur mit radial angelegten Locken, die sein Gesicht und seinen Hinterkopf umrahmen.

Auf der Rückseite der Büste ist ein Wappen eingraviert, das im geteilten Schild unter den gekreuzten Schlüsseln des Bischofs von Minden den Adlerkiel aus dem Wappen der Edelherren zu Berghe zeigt. Aus diesem Geschlecht gingen zwei Mindener Bischöfe hervor: Wedekind II.  (1369 – 1383) und Otto III. (1384 – 1397). Diese Gravur auf der Rückseite rechtfertigt die Datierung dieses kostbaren Reliquiars auf die Zeit um 1380. Es könnte sein, dass einer der beiden Bischöfe diese Petrusbüste, die über einem Holzkern gearbeitet war, der Mindener Domkirche gestiftet hat.

[Nächstes Objekt des Domschatzes: Petrus - der Papst]
 

Mindener Reliquienbüste des heiligen Petrus

Mindener Reliquienbüste des heiligen Petrus.
Foto: Arnold Weigelt

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Aktualisiert: 27/04/12
 

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