Folgen Sie uns auf Facebook Folgen Sie uns auf Twitter Besuchen Sie uns auf Google plus
Blog Minden-Magazin
Willkommen
StadtGeschichte
Neun Bilder
Goldene Tafel
Domschatz
Wasserstraße
Raddampfer
Schiffmühle
Minden & Preußen
Schlacht in Minden
Varus in Porta?
Alter Friedhof
Kreuzkirche
Partnerstädte
Minden-Links
Minden aus der Luft
Veranstaltungen
Service für Sie
Familie Amtage
Herder-Abi 1979
Mailen Sie uns

Besucher im Jahr 2012
Danke für 80.048 Besucher im Jahr 2011.

Es war eine extreme Herausforderung für die Ingenieure und Bauarbeiter gleichermaßen. Das Projekt „Vierungsturm mit Geläut“, mit dessen Realisierung im September 2011 im Dachstuhl des Mindener Domes begonnen wurde, suchte in Deutschland seinesgleichen.

Man hätte in den ersten Wochen den Eindruck haben können, dass das rund 800.000 Euro teure Bauvorhaben in eine Art Dornröschenschlaf gefallen war, schilderte Arno Doebler. Zunächst waren Bauzäune nordöstlich des Domes errichtet worden. Dann wurden tonnenschwere Stahlträger angeliefert, die sang- und klanglos im Dach des Sakralbaues zu verschwinden schienen. Doch das täuschte.

Doebler ist als Diplom-Ingenieur beim Bau- und Liegenschaftsbetrieb Nordrhein-Westfalen (BLB) tätig und für Hochbaumaßnahmen des Landes im Heimatraum zuständig. So auch für den Mindener Dom. Denn das Land hält beim Dom das Kirchenpatronat und ist damit für die Instandhaltung aber auch Vorhaben wie den Vierungsturm zuständig. Denn dieser Turm über der Kuppel im Schnittpunkt von Lang- und Querhaus war bis zur Zerstörung des Mindener Domes durch alliierte Bomben im März 1945 über Jahrhunderte fester Bestandteil des mächtigen Kirchengebäudes.

Gemeinsam mit Architekt Bernhard Brüggemann von der Arbeitsgemeinschaft Historische Bauten (B!), der seit gut drei Jahrzehnten deutschlandweit gerade auch große Kirchenbaumaßnahmen betreut, war der BLB-Vertreter bei der „Herausforderung Vierungsturm“ tätig. Mit hohem Zeitaufwand wurden die Vorbereitungen für das Ein- und Aufsetzen des Glockenturmes ausgeführt, der 24 Meter über den Dachfirst hinausragt und in der Spitze genauso hoch wie der Dachreiter des Westwerkes ist. Fast 110 Tonnen schwer ist das gesamte Stahlobjekt mit seiner Kupferverkleidung und den fünf Glocken.

Entsprechend aufwendig waren schon die Vorarbeiten. Zunächst wurde eine Rahmenkonstruktion geschaffen, um den Dachstuhl abzufangen, wenn er in dem Bereich geöffnet wurde, aus dem der Vierungsturm herauswächst.

Der gesamte Dachstuhl des Querhauses ist äußerst filigran. Beim Wiederaufbau des Domes Anfang der 1950er-Jahre waren die Lohnkosten billig, das Material extrem teuer. So wurde mit hohem Personal- und Stundenaufwand ein Dachstuhl aus einem feinen Stahlgestänge errichtet - in einer Art Falttechnik, sodass es nach der Fertigstellung nur noch auseinandergezogen werden musste. Die Scharniere an den Streben deuten noch heute auf diese Technik hin.

In diesem Gewirr von Verstrebungen mussten die Bauarbeiter auf engstem Raum die Unterkonstruktion für den Vierungsturm einbauen. Brüggemann und andere Baufachleute hatten vielfach gerechnet wie hoch die Belastungsmöglichkeit der Mauern und Pfeiler des Domes ist, wie sich das Schwingen der Glocken auswirkt und wie das mächtige Stahlgerüst, das an vier Stellen auf Brückenlager aufgesetzt wurde, in den Turm eingebracht werden konnte. Eine Meisterleistung aller Beteiligten.

Die Stahlbaufirma Teufert aus Quakenbrück errichtete die Unterbaukonstruktion am Firmenstandort. In vier Teile zerlegt, wurde der mehr als 30 Tonnen schwere Unterbau mit einem Schwertransport nachts nach Minden gebracht. Zwei Tage zuvor wurde das Dach geöffnet. Eine Haube aus Aluminiumgestellen und Lkw-Planen überdeckte die Öffnung, um die dann offen liegende Kuppel in der Vierung des Domes vor Regenfällen zu schützen.

War die Unterkonstruktion mit ihren vier Spinnenbeinen unter schwierigsten Bedingungen eingebaut, wurde zunächst eine Schutzwanne in Form eines Kreuzes aufgesetzt, die im Brandfall herunterfallende Teile auffangen und somit den Dombau schützen soll.

In zwei Teilen wurde dann der Turm selbst aufgesetzt. Zunächst die Laterne in Form eines Oktogons, in die die Glocken eingehängt wurden. Dann der Helm mit Kugel und Kreuz an der Spitze, die sich nach Fertigstellung des Turmes nun in einer Höhe von 56 Metern befindet.

Beide Teile des Turmes wurden erst vor Ort mit Kupfer verkleidet, da die Platten während des Schwertransportes hätten beschädigt werden können.

Im Dezember 2011 wurden der Vierungsturm fertig gestellt und die fünf Glocken, die in ihm läuten, geweiht. Die Glocken erinnern an Heilige und Selige, die beispielsweise unter anderem zurzeit des Nationalsozialismus im katholischen Widerstand aktiv waren und von den Nazis ermordet wurden. Darunter die Heilige [Edith Stein], eine Karmeliterin, der Selige [Rubert Mayer], ein Priester und der Selige [Nikolaus Groß] , ein Journalist.

Mitte Mai 2012 sollen alle übrigen Arbeiten abgeschlossen sein.

Mit dem Vierungsturm wurde ein mehr als sechs Jahrzehnte gehegter Wunsch der Domgemeinde Realität: Der im Ursprung mehr als 1200 Jahre alte Dom, der Ende des Zweiten Weltkrieges durch alliierte Bomben zerstört wurde, ist wieder „komplett“.

 

vierung201204_02

Der neue Vierungsturm entsteht zurzeit auf dem Mindener Dom. Mitte Mai soll er fertiggestellt sein..

Der Dom zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Das Foto, das Anfang des 20. Jahrhunderts entstand, zeigt den Dom mit dem alten Vierungsturm (r.).

Der Helm des Turmes wurde am Boden montiert

Der Helm des neuen Vierungsturmes wurde am Boden montiert und dort auch mit Kupfer verkleidet.

Der Helm des neuen Vierungsturmes (l.)

Ein Bild, das es so nicht wieder zu sehen geben wird. Der Helm des neuen Vierungsturmes (l.) noch am Boden und der Turm des Westwerkes.

[Impressum und Haftungsausschluss: © amtage.de] - das private Minden-Magazin über die Stadt Minden (Westfalen).
Aktualisiert: 27/04/12
 

Diese Seite ist optimiert für IE

Internet Explorer

ab Version 8, Firefox ab Version 6

Firefox

und Google Chrome

 

Chrome