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Der Blick vom Rand auf die Mitte
Zweiter
Teil der Preußen-Ausstellung eröffnet / Westfalen gab wichtige Impulse für Reformen
Von Hartmut Nolte
Minden
(mt). Preußische Geschichte im Westen ist spannender als im Zentrum des Staates. Der zweite Teil der Dauerausstellung im Preußen-Museum in Minden will die Wahrheit dieser "Provokation" des Museumsdirektors Dr. Veit Veltzke in Richtung Berlin beweisen.
Seit gestern hat die Öffentlichkeit offiziell Gelegenheit Veltzkes Satz zu überprüfen. Am Dienstag ließen sich Städtebau- und Kulturminister Dr. Michael Vesper Regierungspräsident Andreas Wiebe an der Spitze der Eröffnungs-Ehrengäste in die Geschichtspräsentation einführen.
Der offizielle Festakt fand im benachbarten Harting-Bau statt, wofür sich Museums-Chef Veltzke bei Margrit Harting bedankte und darin den Beginn einer "Simeons-Partnerschaft" sah.
Minister Vesper, der für diesen Eröffnungsakt eine Landtagssitzung ausließ, sah einen großen Tag für Ostwestfalen. Dies zwischen Minden und Wesel zweigeteilte und vor 15 Jahren in Minden als "Idee" geboren, sei als ein Museum, das sich nur der preußischen Geschichte widme, ohne Vorbild in Deutschland. Die Suche nach preußischer Geschichte sei Nordrhein-Westfalen als größtem Nachfolge-Staat Verpflichtung, erinnerte Vesper an den zehn Millionen-Mark Beitrag zur Stiftung Preußen-Museum NRW.
Preußen sei "die Summe seiner Gegensätzlichkeiten", ging Vesper auf die Begriffe ein, die man mit Preußen verbinde. Preußen sei nicht nur der Geist des Untertanen, wie ihn Heinrich Mann schildere sondern stehe auch für Reformengeist, für wirtschaftlichen Fortschritt, für Toleranz und für Widerstandsfähigkeit, erinnerte Vesper auch an die Männer und Frauen vom 20. Juli 1944.
Gutes Museum Leuchtturm einer Stadt
Beeindruckt zeigte sich Vesper von der Museumskonzeption. "Sie knüpft an die Alltagserfahrungen an, holt die Jugendlichen in ihrer
Medienwirklichkeit ab", befand er die Konzeption für "weitsichtig und zukunftsorientiert". Dass die Mindener mit dem Museum am Simeonsplatz "ein Juwel bekommen"
haben, hatte Bürgermeister Reinhard Korte in seiner Grußrede erwähnt. Vesper ergänzte: "Gute Museen können zum Leuchtturm in einer Stadt werden."
Von einem weiteren
"Lichtblitz" aus Düsseldorf berichtete Landrat Wilhelm Krömer. Pünktlich zur Eröffnung sei ein Förderungsbescheid über 269 000 Euro (526 000 Mark) gekommen. Nun kann der
Ständersaal doch so brandschutzsicher gemacht werden, dass dort auch Veranstaltungen stattfinden können.
Der Blick vom Rand des Staates auf die Zentrale sei wegen der Konflikte von
besonderer Spannung, warb Museumsdirektor Veltzke für einen Besuch der Dauerausstellung. Der jetzt eröffnete zweite Teil zeige auch die wachsende Bedeutung der westfälischen Territorien
für den Gesamtstaat. So seien die Steinschen Reformen Anfang des 19. Jahrhunderts nicht unwesentlich aus Westfalen beeinflusst worden.
"Der ,WestfälingerÕ ist bei Stein der
ideale Staatsbürger, verständig und besonnen, treu, arbeitsam, kämpferisch, wenn es um sein Recht geht", setzte Veltzke den Reformer in den Gegensatz zu Voltaire, der über die
Westfalen von "Tieren, die man Menschen nennt", geschrieben habe.
Tagesschau von 1808: Minister Stein entlassen
Im Absolutismus belächelte westfälische
Eigenschaften seien zum Ansatzpunkt der Umgestaltung des Staatsaufbaus geworden. Veltzke wies erneut auf die multimediale Präsentation (das MT berichtete) des neuen Ausstellungsteils hin.
Die "Tagesschau" von 1808 enthält als Top-Nachricht die Entlassung von Steins.
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28.11.2001
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