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Fundplatz "Auf der
Lake" ist mehr als nur ein Römerlager
Werner Best: "Einzigartig in Westfalen"
Der Fundplatz "Auf der Lake" in Porta Westfalica-Barkhausen
sei einzigartig in Westfalen, erklärte Dr. Werner Best vom Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) bei einem Lichtbild-Vortrag.
Dies gelte vor allem deshalb, weil hier etwa 7000 Jahre Menschheitsgeschichte vertreten seien, betonte der Archäologe. Best erläuterte den aktuellen Stand der Grabungen auf dem etwa 2,5 Hektar großen Gelände anlässlich des ersten Informationsabends, den der Ende 2008 gegründete "Förderverein Römerlager Barkhausen Porta Westfalica" zu diesem Thema in der Aula der Grundschule Barkhausen veranstaltete. Ziel des Vereins ist es, einen Teil der Fundstücke dauerhaft vor Ort zu präsentieren.
Best verwies bei der Veranstaltung auch auf den Zusammenhang mit der als gesichert geltenden Entdeckung eines Marschlagers der Römer aus der augustäischen Zeit (11 bis 16 n. Chr.) auf dem Grabungsgelände, das angesichts des "Varusjahres" und der aus wissenschaftlicher Sicht Ernst zu nehmenden Zweifel an der Lage der berühmten Schicksalsschlacht bei Kalkriese besonderes Interesse der Öffentlichkeit und der Medien findet.
Seit am 8. Juli 2008 ein ehrenamtlicher Sondengänger eine Münze und eine römische Gewandspange gefunden hat, wird das Baugelände "Auf der Lake" genauer untersucht. Nach einer elektromagnetischen Prospektion, die auf Besonderheiten des Untergrundes hinwies, sind bis September 2008 drei kleine Flächen geöffnet und etwa 3900 Quadratmeter archäologisch untersucht worden. Die Wissenschaftler unterscheiden Funde und Befunde. Funde sind Gegenstände oder Teile davon. Befunde sind zum Beispiel Verfärbungen im Boden, die auf menschliche Aktivitäten hinweisen. Bisher sind 159 Befunde, 193 Sondenfunde, 17 Urnengräber und 4 Feldbacköfen entdeckt worden.
Die Funde und Befunde erstrecken sich über die Zeit zwischen der Steinzeit und dem Dreißigjährigen Krieg. Ein Gräberfeld mit 17 Urnen und Brandgräbern datiert aus der Bronzezeit. Eine große Scherbe stammt von einem germanischen Gefäß aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., Siedlungsstrukturen aus dieser Zeit konnten allerdings nicht nachgewiesen werden. Eine Scheibenfibel mit einer abstrahierten Christus-Darstellung deutet auf die Frühe Neuzeit hin, während ein Mariengroschen von 1629 aus dem Dreißigjährigen Krieg stammt.
Als gesichert gilt auch, dass Römer in der Okkupationszeit Germaniens anwesend waren, allerdings ist bisher nicht festzustellen, in welcher Form. Die elektromagnetische Prospektion hatte zunächst eine Störung gezeigt, die auf einen Graben hinwies, entpuppte sich jedoch als eine Telefonleitung aus der Zeit der englischen Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein entsprechender Graben hätte deutlich auf die Befestigung eines Militärlagers der Römer hingewiesen. Jedoch hätte ein solches Lager eine sehr große Fläche eingenommen, erläuterte Best. Der Grabungsbereich sei dem gegenüber sehr klein, sodass er möglicherweise innerhalb der Befestigung liege.
Aus römischer Zeit wurden zahllose Sandalennägel, Teile einer kleinen Maske, ein eiserner Zelthering, die Randscherbe eines Rillenbechers sowie zwei Bruchstücke von Mahlsteinen einer kleinen Handdrehmühle aus Basalt gefunden. Solche Mühlen gehörten zur Grundausstattung der römischen Soldaten. Die Herkunft des Basalts werde noch geprüft. Außerdem ergab sich der Befund von vier Feldbacköfen, in denen sich die Soldaten ihr Brot backten. Alles dies weist nach Einschätzung der Archäologen auf eine Lagerung der Römer und nicht auf eine Durchwanderung hin. Es ist möglich, dass die Fundstätte auf einer der Trassen lag, die von Römern und anderen als Transportwege genutzt wurden.
Text von Ralf Kapries (Mindener Tageblatt vom 10. Februar 2009
Marschlager, nicht Sommerlager des Varus
Zwischenbilanz nach einem halben Jahr Grabungen in Barkhausen / Zelthering weist auf vorübergehende Nutzung hin
Das Sommerlager des Varus ist es wohl
nicht, was Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Porta Westfalica-Barkhausen am Ufer der Weser gefunden haben. Diese erste optimistische Einschätzung aus dem
Sommer 2008 rückten die Historiker nach einem halben Jahr Ausgrabungen zurecht.
"Barkhausen ist ein wunderbarer Fundplatz zum Varus-Jahr. Eine der zahlreichen römischen
Truppen ist hier vorbeigekommen und hat sich hier kurze Zeit aufgehalten", sagte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale Anfang Januar 2009 am Fundort. Die Funde aus
Barkhausen gehörten aber mit "sehr großer Wahrscheinlichkeit" zu einem Militärlager, das die Römer während der augusteischen Eroberungskriege in Germanien errichtet haben.
"Ob das Varusheer dabei tatsächlicher hier Halt machte, können wir bisher nicht beweisen", sagte Rüschoff-Thale.
Die Okkupation Germaniens durch Truppen des römischen
Kaisers Augustus habe etwa 30 Jahre gedauert, von 11 vor Christus bis in das Jahr 16 nach Christus, erläutert Dr. Bettina Tremmel, LWL-Expertin für römische Archäologie. In Barkhausen
seien insgesamt sechs Münzen gefunden worden, die genau diesen Zeitraum abdecken.
In dieser Periode seien immer wieder große Heereszüge mit 20 000 bis 70 000 Soldaten von Rhein und
Lippe in Richtung Elbe zu Eroberungszügen unterwegs gewesen. Zum Übernachten hätten sie grundsätzlich Marschlager angelegt. Solche Lager, das wisse man von anderen Fundorten, seien 20 bis
50 Hektar groß gewesen, umgeben von einem Spitzgraben und einem Wall. Das unbebaute Areal in Barkhausen, das die Archäologen in zwei Jahren insgesamt untersuchen können, betrage
allerdings nur zwei Hektar Fläche.
Weil auf dem Gelände bislang keine Spuren von festen Gebäuden entdeckt wurden und eine eher geringe Anzahl von Funden gemacht wurde, sei davon
auszugehen, dass römische Truppen in augusteischer Zeit in Barkhausen zwar wiederholt, aber immer nur für kurze Zeit Station machten. Für diese These spricht der Fund eines eisernen
Zeltherings.
"Solche Zeltheringe haben in dieser Zeit nur die Römer benutzt", betont Tremmel. Jeweils acht Soldaten hätten in einem Lederzelt übernachtet und auch selbst
für ihre Mahlzeiten gesorgt. Dazu passt wiederum das Fragment eines Mühlsteins, den die Archäologen bereits im Sommer mit den ersten metallenen Fundstücken präsentiert hatten. Die Suche
nach dem Graben ist bislang ergebnislos verlaufen. "Die unbebaute Fläche ist relativ klein, vielleicht befinden wir uns hier mitten in dem ehemaligen Lager", meint
Tremmel.
Insgesamt wurden in Barkhausen 20 römische Objekte entdeckt, darunter sieben Bronze- und Silbermünzen, Gewandspangen, der Zelthering, Bleilote, eiserne Sandalennägel und
das Fragment eines Mühlsteins, wie er bei den römischen Truppen gebräuchlich war. Zudem seien die Grabungshelfer auf vier flache, längliche Gruben gestoßen, die verziegelten Lehm und
Holzkohlestückchen enthielten. Sie werden derzeit in Erlangen zwecks genauer Datierung untersucht. Die Formen der Gruben besäßen starke Ähnlichkeit mit römischen Backöfen in den römischen
Lagern an der Lippe, erläutert Tremmel.
Am 15. Dezember begann für das Grabungsteam in Barkhausen die Winterpause. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Archäologen und die
Grabungshelfer, die vom Kreis Minden-Lübbecke (proArbeit) und Mindener Initiative für Arbeit und Schule bezahlt werden, 5000 Quadratmeter Fläche im Baugebiet "Auf der Lake"
untersucht. Im März sollen die Arbeiten wieder aufgenommen werden. "Unsere Grabungen verzögern die Bauarbeiten ein wenig, verhindern sie aber nicht", betont Grabungsleiter Dr.
Daniel Bérenger. "Wir suchen immer gemeinsam mit den Bauherren nach Lösungen, damit alle etwas davon haben", ergänzt Barbara Rüschoff-Thale.
"Endlich mal wieder in
einem Bauwagen. Das ist wie nach Hause zu kommen", freut sich die Kulturdezernentin, die ihre Laufbahn beim Landschaftsverband als Archäologin begann, an diesem kalten Wintertag. Das
sei das richtige Wetter, um "Funde zu waschen".
Die Varus-Schlacht
— Seit dem Jahr 12 vor Christus
führten die Römer ausgedehnte Erkundungszüge östlich des Rheins durch. Sie wollten Siedlungsgebiete germanischer Stämme zwischen Rhein und Elbe dauerhaft unter römische Herrschaft
bringen. Etliche Stämme schlossen mit den Römern Friedensverträge.
— Publius Quinctilius Varus wurde im Jahr sieben nach Christus zum Statthalter des Römischen Imperiums am
Rhein ernannt. Der erfahrende Militär- und Verwaltungsfachmann sollte in den römisch beherrschten Gebieten das römische Recht und das römische Steuerrecht einführen.
— Im
Herbst des Jahres neun nach Christus wollte sich Varus mit seinen Legionen 17, 18 und 19 und dem dazugehörigen Tross ins sichere Winterlager am Rhein zurückziehen. Varus wurde von
Germanen um Hilfe gebeten, die angeblich unweit des Weges der Römer in Bedrängnis geraten waren. Ein Hinterhalt: Die Germanen griffen aus dem Hinterhalt an, Varus und seine drei Legionen
wurden vernichtend geschlagen. Nach dieser Niederlage gaben die Römer ihre Pläne zur Eroberung Germaniens rechts den Rheins auf.
— Die Germanen wurden angeführt von Arminius,
einem Cheruskerfürsten, der in Rom aufgewachsen und ausgebildet war und im römischen Militär gedient hatte.
Texte von Ursula Koch (Mindener Tageblatt)
[Weitere Texte aus 2008 über das Marschlager des Varus]
Links
zur Varus-Schlacht:
[Wikipedia]
[Varusschlacht im Osnabrücker Land]
[Varusforschung der Universität Osnabrück]
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