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Neue Schleuse spart viel Wasser
Alle
schimpfen auf das Wetter?
Nicht unbedingt. „Ich kann nicht klagen“, meint Volker Bensiek. Der Bauingenieur auf der Schleusenneubaustelle hat eine pragmatische Sicht der Dinge: Bei der Arbeit soll es weder stauben, noch soll sich die Baugrube in eine Schlammwüste verwandeln.
Darum ist die Wunschvorstellung des Ingenieurs: „Nachts etwas Regen, tagsüber trocken und nicht zu heiß.“ Dann gehen die Arbeiten an
dem Jahrhundertbauwerk, das etwa 72 Millionen Euro verschlingen wird, zügig voran. Die neue Mindener Schleuse wird es den Europaschiffen ermöglichen, vom Mittellandkanal aus die Weser zu
erreichen. Die ständigen Veränderungen auf einer Baustelle – die großen Fortschritte wie die kleinen Facetten – sind interessant zu beobachten. Überall wird gebaut, gebohrt
und abgerissen.
Ein Etappenziel wird in diesen Tagen erreicht: Die Betonbohrpfähle, die bis zu 23,60 Meter tief ins
Erdreich ragen und das Bauwerk tragen sollen, sind komplett fertig mit Beton verfüllt – immerhin 320 an der Zahl. Diesen Punkt kann Volker Bensiek, der Baubevollmächtigte des
Neubauamtes Hannover, also von seiner Aufgabenliste streichen. Mit den Bohrungen ist es allerdings noch nicht getan. Alle bewehrten Pfähle werden mit Ankern in vier Lagen gesichert. Nur
so können die Pfähle dem enormen Druck standhalten, wenn mit dem Bodenaushub begonnen wird.
Bensieks Büro befindet sich
übrigens im Baucontainer auf dem ehemaligen Minigolfplatz und wird dort auch bis zum Ende der Bauarbeiten, anvisiert für Sommer oder Herbst 2013, bleiben. Etwas hinken die Bauarbeiten dem
ursprünglichen Zeitplan hinterher: „Etwa drei Monate werden wir hinzurechnen müssen“, schätzt Bensiek. Der Aufwand einiger Arbeiten habe sich als höher erwiesen als gedacht: „Das
können wir nicht mehr aufholen.“
Die alte Kantine der ehemaligen Staatswerft ist bereits abgerissen. Bereits Ende
Juni 2011 war die Kantine in einen Neubau auf dem neuen Bauhof umgezogen. So ändert sich das Gesicht der Baustelle täglich. Volker Bensiek und seine Kollegen sind auch selbst oft mit der
Kamera auf der Jahrhundertbaustelle unterwegs. Festgehalten werden sowohl technische Details, die später noch einmal wichtig werden könnten, als auch Eindrücke, zum Beispiel für die
Internetseite von Bensieks Arbeitgeber: Das Neubauamt für den Ausbau des Mittellandkanals in Hannover (NBA Hannover) gehört zur Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV), die
zuständig ist für die Verwaltung der Bundeswasserstraßen und für die Regelung des Schiffsverkehrs.
Das neue Bauwerk mit seiner 139 Meter langen und 12,50 Meter breiten
Schleusenkammer soll vor allem die modernen Großmotorschiffe und Schubverbände aufnehmen, die auf den internationalen Binnenwasserstraßen fahren. Die neue Schleuse wird in einem Abstand
von etwa 52 Metern östlich der 1914 errichteten Schachtschleuse und parallel zu dieser errichtet. Während der Bauzeit kann daher deren Betrieb voll aufrechterhalten werden.
Das Schleusungswasser wird aus dem Mittellandkanal entnommen, deshalb wird die Schleuse mit Sparbecken ausgerüstet, die eine Wasserersparnis
von etwa 60 Prozent ermöglichen, so das Neubauamt für den Ausbau des Mittellandkanals in Hannover.
Dieser Text wurde im August 2011 von MT-Redakteurin Anja Peper verfasst.
Bagger rollen im
August 2010 an (Bericht aus dem Jahr 2010)
Es hat sich seit Ende 2009
erheblich verändert, das "Gesicht" der Landzunge östlich der Mindener Schachtschleuse. Dort, wo zuletzt viel Grün stand, ragt nach den Rodungsarbeiten im Herbst 2009 tiefbrauner Boden hervor. Ein untrügliches Zeichen, dass der Baubeginn der neuen Schachtschleuse unmittelbar bevorsteht.
Seit August 2010 rollen die Bagger an, um die Spundwände für den Bau der knapp 70 Millionen Euro teuren neuen "Sparschleuse" zu setzen, die östlich und parallel der zwischen 1911 und 1914 errichteten Schachtschleuse entsteht. Die ist unter dem Aspekt der bei jeder Schleusung notwendigen Zuführung von neuem Schleusenwasser aus dem Mittellandkanal wegen des verhältnismäßig geringen Bedarfes ebenfalls bereits als sparsame Schleuse eingestuft.
Knapp 100 Jahre nach der Entstehung des alten Bauwerkes wird die neue Schleuse die alte vorerst nicht komplett ersetzen. Zunächst sollen jährlich noch rund 1000 Schiffe der alten Bauart in der "historischen" Schachtschleuse zwischen Weser und Mittellandkanal geschleust werden, wie der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Minden (WSA), Henning Buchholz, erläutert. Auch aus Kostengründen.
Das neue Bauwerk mit seiner 139 Meter langen und 12,50 Meter breiten Schleusenkammer soll vor allem die modernen Großmotorschiffe und Schubverbände aufnehmen, die auf den internationalen Binnenwasserstraßen fahren und die Größe der Schachtschleuse sprengen würden. Zunächst sind etwa 4000 Schleusungen jährlich in dem neuen Hebewerk kalkuliert, das voraussichtlich Ende 2013 fertiggestellt ist.
Auch wenn bei dem Projekt von einer Sparschleuse gesprochen wird, so benötigt das neue Objekt mehr als doppelt so viel Wasser für eine Schleusung wie die Schachtschleuse: 25 400 Kubikmeter. Das entspricht mehr als 152 000 Badewannenfüllungen.
Über 288 Düsenöffnungen mit einem Durchmesser von je rund 30 Zentimetern wird das Wasser von den östlich gelagerten Sparbecken in die neue Schleuse einströmen beziehungsweise von dort zurückgepumpt. Das Prinzip bringt nach Auskunft von Fachleuten eine Wasserersparnis von circa 60 Prozent. Gespeist werden die Becken mit Wasser aus dem Mittellandkanal.
Etwa 37 Minuten dauert eine Berg- oder Talschleusung. Nach Auskunft des zuständigen Hannoveraner Neubauamtes für den Ausbau des Mittellandkanales ist die wesentlich größere neue Schleuse damit nahezu ebenso schnell wie die Schachtschleuse mit ihrer Nutzlänge von 85 Metern und einer Breite von zehn Metern.
WSA-Chef Buchholz hofft, dass die Schachtschleuse noch möglichst lange funktionsfähig bleibt. Wie lange das sein wird, kann auch er nur vermuten. Denn das 96 Jahre alte Bauwerk ist technisch gesehen zwar auf der Höhe und diese Technik müsste noch deutlich mehr als ein Jahrzehnt halten. Doch kommt es zu größeren und kostenintensiven Defekten, würde die Schachtschleuse stillgelegt, die Schleusenkammer endgültig leer gepumpt und vor das Schleusentor am Mittellandkanal ein Damm aufgeschüttet, um das Tor vom Wasserdruck des Kanales zu entlasten. Da die Schachtschleuse unter Denkmalschutz steht, bleibt sie als technisches Bauwerk erhalten.
Während der Bauzeit der Schleuse Minden werden die Schleusungen in der alten Schachtschleuse nicht behindert. Für den Kraftfahrzeugverkehr auf der Bauhofstraße gilt das allerdings nicht. Die ist komplett gesperrt worden und wird später neu trassiert. Zwei neue Brücken führen dann mit lichten Weiten von 26 beziehungsweise 15 Metern über die Ausfahrten der neuen und alten Schleuse.
Während der Bauarbeiten haben die Schiffe der Weißen Flotte neue Ankerplätze bezogen. Ein Schiff liegt westlich der Zufahrt zur Schachtschleuse in Höhe der Sympherstraße vor Anker, die anderen Schiffe liegen auf der südlichen Seite des Mittellandkanals in der Nähe des Pumpwerkes. Touristen können über die Marienstraße/Sympherstraße an die Schachtschleuse heranfahren.
Auch Radwanderer sind von den Bauarbeiten betroffen. Ausschilderungen am Weserradweg im Stadtgebiet weisen die Fahrradfahrer frühzeitig auf die veränderte Streckenführung hin und informieren über das 70-Millionen-Projekt.
Der ursrüngliche Text wurde von Hans-Jürgen Amtage am 2. Januar 2010 für das Mindener Tageblatt verfasst. (Geändert am 5. August 2010)
Neue Schachtschleuse in Minden kostet fast 70 Millionen Euro (Bericht aus dem Jahr 2009)
Sie waren nicht zu überhören
, die Kettensägen, die im August 2009 auf der Landzunge zwischen dem Vorhafen der Schachtschleuse und dem Bauhafen des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Minden den Bäumen zu
Leibe rückten. Die Vorarbeiten für den Neubau der Schleuse hatten begonnen.
Blindgänger suchen, umfassende Erdbewegungen durchführen und die Sicherheit der alten Schleuse
gewährleisten: Vor Beginn der eigentlichen Arbeiten im Sommer 2010 ist viel zu tun. Alle Voraussetzungen dafür sollen geschaffen werden, dass etwa im April mit den Bauarbeiten begonnen
werden kann. Alle Bauarbeiten für den gesamten Schleusenneubau sind bereits ausgeschrieben. Spätestens bis zum März 2010 sollen alle Aufträge vergeben sein.
Ein Schiff mit einem
großen Kran liegt im Bauhafen. Lange Bohrer werden in den Boden des Hafens getrieben, die, wenn sie eine bestimmte Tiefe erreicht haben, in der Mitte mit einem Kunststoffrohr versehen
werden. Das bleibt im Boden, wenn der Bohrer wieder herausgezogen wird.
In diese Rohre senkt der Kampfmittelräumdienst eine Sonde, die größere Metallansammlungen anzeigt. Es geht
darum, das ganze Baugebiet im Hafen und anschließend auf Land nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg abzusuchen und so jede Gefährdung auszuschließen. In den letzten Kriegsmonaten
war der Mittellandkanal in Minden mit der Weserquerung ein begehrtes Ziel der alliierten Streitkräfte.
Mit dem Neubau der Schachtschleuse werden auch sehr große Erdbewegungen
erforderlich, nicht zuletzt durch die tiefe Baugrube für den neuen Schleusenkörper und die Sparbecken. Es würden zwar alle Sicherheitsmaßnahmen getroffen, um Erdverschiebungen im
benachbarten Gebiet zu vermeiden, doch sei eine ständige Überwachung erforderlich, erklären die Fachleute. Schon jetzt soll ein Feld erstellt werden, das aus 17 Vermessungspunkten
besteht, die so angeordnet werden, dass sich mindestens jeweils drei "sehen können". Aus den Winkeln zueinander wären auch kleinste Veränderungen sofort festzustellen.
Sicherheit geht über alles.
Und Sicherheit gilt auch, wenn es um den Erhalt der alten Schleuse geht. Stahlbetonbohrpfähle von 120 Zentimetern Durchmesser werden das alte Gelände
stützen. Sie sollen von 750 bis zu 40 Meter langen Verpressankern gehalten werden.
Erste große Baumaßnahme wird in 2010 die Baugrube sein. In dieser soll dann die Schleusenkammer
langsam von unten nach oben wachsen. Das allein wird etwa drei Jahre dauern.
Und wann werden die Mindener neben "ihrer" alten Schleuse die neue im Betrieb bewundern
können? "Wir rechnen ab Baubeginn mit einer reinen Bauzeit von 40 Monaten", erklären die Verantwortlichen der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung mit dem zuständigen
Neubauamt in Hannover. Diese Zeit sei nur einzuhalten, wenn keine unerwarteten Schwierigkeiten aufträten, womit man allerdings nicht rechne.
Bis zur Fertigstellung sind 250.000
Kubikmeter Erdarbeiten durchzuführen, 90.000 Kubikmeter Beton oder Stahlbeton und 10.000 Tonnen Bewehrungsstahl zu verarbeiten. Mit einer nutzbaren Länge von 139 Metern und einer
Breite von 12,50 Metern wird die neue Schleuse alle Anforderungen einer modernen Schifffahrt erfüllen. Die Baukosten betragen rund 70 Millionen Euro.
Modelle im Infozentrum an der
Schleuse zeigen ein eindrucksvolles Bild der Gesamtanlage mit der alten und daneben der neuen Schleuse.
Dieser Text basiert auf einem Bericht von
Robert Kauffeld im Mindener Tageblatt vom August 2009.
[Link zu weiteren Informationen zur neuen Schleuse]
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